Mamihlapinatapai
Das Austauschen eines Blickes zwischen zwei Personen,
von denen jeder wünschte,
der andere würde etwas initiieren,
was beide begehren,
aber keiner beginnen will.
mannaz (cc)
Mamihlapinatapai
Das Austauschen eines Blickes zwischen zwei Personen,
von denen jeder wünschte,
der andere würde etwas initiieren,
was beide begehren,
aber keiner beginnen will.
Sperr’ mich nicht ein,
hänge nicht zu sehr an mir — und vermisse mich.
Denn:
Ich bin das Gegenteil davon!
Ich gehe raus in die Welt,
erlebe meine Abenteuer.
Irgendwann komme ich nach Hause, sage Hallo.
Gebe dir einen Kuss.
Setze mich an den Kamin, erzähle meine Geschichten.
Bis ich müde bin.
Und vielleicht schon am nächsten Tag zieht es mich wieder raus.
Weg, in die weite Ferne.
Vielleicht nehme ich dich mit aufs Abenteuer,
aber vielleicht auch nicht.
Dann sage ich Tschüss, bis später.
Und komme erst nach Ewigkeiten wieder zurück.
Ich kenne keine Zeit,
ich kenne nur den Moment.
Ich komme und gehe, wann und wohin ich will.
Das ist meine Freiheit.
Und wenn du auf mich wartest,
bringe ich dir immer meine Liebe mit.
Ich wollte ja hier eigentlich nie so Politkram unterbringen, empfand es als … nun ja, ich weiß nicht.
Es gab mal zwischendurch ein Politblogoid, aber ich bin kein Politiker im strengen Sinne, ich kann darüber nicht schreiben.
Ja, ich kann nicht einmal Politik machen. Ich kann mich mit Menschen an einen Tisch setzen, ich kann mit ihnen reden, diskutieren, streiten, nicht ihrer Meinung sein, nicht meine Meinung ihnen klar machen.
Eigentlich kann ich gar nichts, was vielleicht zu guter Politik gehört.
Aber ich konnte Menschen motivieren, das zu tun, was ich nicht konnte.
Ich konnte sie dazu bewegen, in meinem jetzigen Heimatbezirk mal was zu machen, mal das mit der Politik ausprobieren.
Wer nicht blind oder doof ist, wird ja wissen, dass ich mal ein Mitglied einer Partei war, so von Mitte 2009 bis Frühjahr 2013.
Dann bin ich gegangen. Und traurigerweise interessierte sich eigentlich kein…kaum ein Arsch dafür. So wichtig war ich nicht einmal den Wenigen, die mich kannten.
Und meiner zugegeben etwas zynischen Mail schenkte man ebenfalls weniger Beachtung als man mich glauben machen wollte, mich geachtet zu haben.
Manchmal frage ich mich, ob ihr mich alle die ganze Zeit nur verarscht habt. Manchmal frage ich mich, warum ich selbst nach meinem Austritt immer noch den ganzen Techshice mache, den ich eigentlich nicht machen muss!
Wäre ich so arschlos wie ihr, dann drehte ich einfach den Hahn zu. Ich kündigte die Domain, schlösse das Blog, löschte die Emailkonten und -weiterleitungsadressen. Ich bin der Herr, ihr könnt mich mal!
Aber … ich mache es nicht.
Und warum? Weil ich euch Wenige, ja auch ihr, die ihr mir nie zeigtet, wie wichtig ich euch doch gewesen sein soll, euch alle mag ich eigentlich immer noch. Irgendwo im Innersten meiner selbst.
In Berlin galt es mal als chic, progressiv, modern, mutig, experimentierfreudig und einfach menschlich zu sein. Fehler zu machen. Ausprobieren, scheitern, aufstehen, lernen, richtig machen.
Irgendwann verlernte man… verlernten wir das.
Wir beschlossen Dinge, die an Absurdität von nichts anderem im Politalltag übertroffen werden konnten, weil nur Piraten das konnten, und da eigentlich auch nur die Berliner Piraten. (Nennt mich arrogant, aber die Berliner Piraten waren mal mit die coolste Truppe, die man sich vorstellen konnte, die Leute, mit denen man Pferde stehlen wollte. Damals …)
Heute seid ihr alles Schisser. Und vor allem seid ihr nicht mehr das, was ich kennenlernen durfte. Und ich bin nicht unschuldig, da selbst nicht aktiv dagegen gearbeitet.
Aber hey, soll ich mich allein gegen die Klüngel und Seilschaften, Intrigen und Mobbereien stellen? Soll ich mich von eurer Unmenschlichkeit aufreiben lassen?
Nee nee, das macht ihr mal schön allein.
Und das macht ihr schön weiter vor, während und nach eurem Reboot. Dem sagenumwobenen Neustart, der in seiner Werbeagenturverkokstheit durch nichts übertroffen werden kann, nicht einmal durch die wahnwitzigen Beschlüsse, die theoretisch noch immer Bestandteil von euren Geschäftsordnungen für Parteitage oder Vorstandssitzungen sein müssten.
Da habe ich mich schon mit dem Rind ausgetauscht. Das habe ich auch in meiner Abschiedsmail geschrieben. Das ist ein Fehler.
Das, was ihr neustarten wollt, ist dann immer noch das kapotte System von vorher, das mit Viren und Trojanern verseuchte Betriebssystem, welches durch eben diesen Neustart nicht erneuert wird.
Es ist weiterhin defekt. Nur mit Glück kann man durchaus noch eine weitere Wahlperiode damit durchkommen.
Oder einfach großartig failen.
Und den bildlichen Absturz wünsche ich euch. Nicht, weil ich euch hasse. Weil ich euch mag. Weil ihr es braucht.
Weil irgendwer nicht nur davon reden sollte, aufzuwachen, sondern es auch endlich mal tut!
Liquid Democracy wollt ihr leben, Liquid Feedback soll das Werkzeug sein. (Ich bin nach über zwei Monaten immer noch in der Lage, im Berliner System zu partizipieren; laut Beschlüsse und Co. dürfte ich das nicht, da ich mir auch keiner Sonderrechte bewusst bin, die eine weiterführende Aktivität legitimierte.)
Ständige Mitgliederversammlung. Tolle Idee.
Bundestagswahl. Ja, dat rocken wa!
Seid ihr eigentlich noch bei Trost?
Ihr wollt 10 Schritte auf einmal nehmen und könnt nicht einmal drei geradeaus laufen, ohne euch selbst noch die Stöcke zwischen die Beine zu schmeißen.
Mehr und mehr bröselt es in allen Ecken, die negativen Meldungen nehmen nicht ab. Ihr befeuert das auch noch.
Aber gewinnen wollt ihr. Nur womit?, frage ich euch!
Mit den Trümmern und Scherben, die ihr hinterlasst, werdet ihr dieses Land nicht verändern.
Mit selbstreferenziellen Orgien und Posten-und-Pöstchen-Kannibalismus werdet ihr euch nicht wesentlich von den Parteien abheben, die ihr kritisiert.
Mit eurer Selbstzerstörung und Menschenverachtung verliert ihr jeden Tag Wähler, Helfer, Unterstützer und Mitglieder.
Und ihr seid sogar so feige, euch das einzugestehen. Selbst die Zahlen im Wiki zu den Mitgliederzahlen werden wohl schon aus gutem Grund kaum bis gar nicht mehr aktualisiert. (Vielleicht sind aber auch nur die Verantwortlichen für die Mitgliederverwaltung dermaßen mit den Austrittsbestätigungen beschäftigt; meine hat immerhin auch einen Monat gedauert.)
Wehmütig blicke ich nun auf eine Zeit zurück, in der alles so etwas wie eine Art heile Welt war.
Ich wollte damals den Neumitgliedern, der zweiten großen Welle um 2011/2012 herum die Schuld geben, aber schuld waren wir, die Alten, die 2009er und selbst noch die von davor. Wir… ihr habt es versäumt, mit dem Wachstum selbst an euch zu wachsen.
Wann immer ich glaubte, ich wäre dem Vergangenen zu sehr verbunden, ihr ward es noch viel mehr. Den Neuen mit Misstrauen, Missgunst und Missbilligung seid ihr begegnet. Bevormundet und fehlgeleitet, durch euch, die ihr die eigentlich so hart erarbeiteten Werte als so selbstverständlich angenommen habt, dass ihr gar nicht verstandet, dass jemand, der neu dazukommt, es nicht versteht. Und anstatt es zu erklären, habt ihr mit einer Arroganz reagiert, die ich mir selbst nie zutrauen würde (und ich sehe mich wahrlich als schlechten und ungeduldigen Lehrer!).
Wäre es nicht schon so spät —sowohl tatsächlich zum Zeitpunkt des Schreibens als auch für euch als Partei und deren Zukunft—, mir fielen mit reiflicher Überlegung noch so einige Dinge ein, die ihr falsch macht, die ihr richtig machen könntet, oder einfach nur anders. Manchmal geht es ja eben nicht um richtig oder falsch, sondern schlicht und ergreifend nur um das Anders. Ändern wollten wir. Ändern wollt ihr nun aber nicht mehr.
Und eigentlich ganz ohne nautische Metaphern kam ich bis hierhin aus. Aber eines kann ich mir nicht verkneifen:
Wenn ihr nicht endlich aufwacht, endlich was verändert, endlich menschlich werdet, dann werdet ihr untergehen. Wie ein leckendes Schiff.
Denn diese Menschlichkeit war es mal, die die Politik so angenehm gemacht hat.
Themen statt Köpfe — so lautete mal das Motto. Jetzt sind Köpfe auf den Plakaten drauf.
Ich sage: Menschen statt Themen. Denn für Menschen sollten wir Politik machen, nicht fürs Papier, auf dem’s gedruckt wird.
Für uns sollten wir das machen. Aber wir haben wohl das Wir verlernt.
Dieser Blogpost wurde frei von der Leber heruntergeschrieben. Er wurde nicht korrekturgelesen; Fehler bleiben erhalten, missverständliche Passagen ebenso. Er ist sowohl Appell und Mahnung an euch als auch einfach ein niedergeschriebener Gedankenstrom und verspätete Aufarbeitung. Er tut weh, euch wie mir. Er entstand aus aktuellem Anlass.
»Ungerechtigkeit und Schmutz werfen sie nach dem Einsamen: aber, mein Bruder, wenn du ein Stern sein willst, so mußt du ihnen deshalb nicht weniger leuchten!«
— Also sprach Zarathustra, F. Nietzsche
… gibt es ganz exklusiv hier zu hören:
Download: aether-Podcast-Intro-Krach
Aufgenommen und akustisch verunstaltet im Dezember 2008.
Warum ich nie den Podcast begonnen habe? Ich kann mich selbst einfach nicht hören. ;o)
Mehr von mir?
Na gut, im selben Jahr ist auch noch dieses Wunderwerk der Audiokunst entstanden: baden im eigenen saft | blogoff
»You and I suffer the same pain, Demetrius! But we followed different paths to deal with it. I chose forgiveness. I forgive you, Demetrius.«
— Jasin to Demetrius
Leider das einzig wirklich Gute in Vampire Boys 2 (mp).
Next iteration of markentier (the outline only):
Wenn ich mich recht entsinne, ist diese Idee gar nicht mal so neu, aber ein Googlen nach »das geschriebene Foto« bringt so ziemlich nix, was mich weiterführt.
Daher kann ich nur aus der Erinnerung mein Kudos an Unbekannt geben, der/die/* bereits diese tolle Idee hatte. Danke hierfür!
Gleich noch eine Wortschöpfung von mir: Photoscribieren nennt sich der Vorgang des Aufschreibens des Gesehenen, das entstandene Werk ist demzufolge ein Photoscriptum. Ein Ausweichen auf die Mischform mit Latein empfinde ich hier nötig, um es von der klassischen Photographie abzugrenzen, γράφειν (graphein) bedeutet nämlich ebenfalls auch schreiben. Und ja, ich bevorzuge die ph-Schreibweise auch für das deutsche Wort.
Warum ich das eigentlich überhaupt erwähne? Werdet ihr schon bald merken. Bis später!
Ist das ein Hammer? — Nee, das Wappentier der UdSSR!