der titel ist mal absichtlich kurz und krumm, eine art neusprech (siehe roman 1984[1]).

zuerst habe ich ja ‘ne mail in unserem regenbogenhain bekommen, von ryuu/thursa, erst später begriff ich, warum. weil sie auf ihrem blog schon was schrieb. dann verstand ich schon mehr. danach musste ich mich aber mit dem nötigen hintergrund vertraut machen, und dem kleinen zwist dazu.

ich finde, dass meine mailantwort auch hier gut passt, weil’s eh nur meine meinung und einstellung ist:

die waage der spiritualität hat mehr als zwei arme. das gleichgewicht ist schwieriger herzustellen, kann dafür aber feiner justiert werden.

schwarz und weiß, gut und böse, männlich und weiblich, plus und minus — all diese gegensätze sind von menschenhand produziert. in der spiritualität spielen sie gar keine rolle.

hinzufügen will ich nun hier noch:

toleranz sollte wichtig sein, muss es. aber nicht als grund des zusammenhalts gegenüber den “nicht-heiden”, sondern einfach allgemein. als jemand, der/die der heidnischen religionen und neuschaffungen frönt und demzufolge kaum auf verifizierbare und authentische quellen zurückgreifen kann, können wir doch eh nie einen alleinstellungsanspruch erheben. dualistische wie auch “polyistische” (gibt’s dafür n vernünfigen begriff?) spiritualität sollte nebeneinander existieren dürfen ohne in kleinkriegen zu enden. nur weil mein verständnis (wie auch zB thursas und andere) von spiri eher un- bzw. vielgeschlechtlich[2] einhergeht, spreche ich es niemanden ab, dass er/sie/es/what ever eben ein anderes bild davon hat. mögen m/w-orientierte, dreifaltige/-geschlechtige oder sonstwie aufgebaute spiritualitäten/religionen/glaubensrichtungen/{eigene definition deines weltbildes} ihren weg gehen. aber schmeißen wir uns doch nicht auch noch gegenseitig steine in den weg.

haben wir nicht gerade in deutschen landen schon ohnehin das problem, nicht schief angeschaut zu werden, weil wir eben keine christen sind oder einer anderen “anerkannten” religion/ideologie angehören, die zudem nicht auch noch anrüchig ist?

hier sehe ich die gleichen mauern aufgebaut, wie ich sie auch in der schwulen welt wieder finde (bei der lesbischen kenn ich mich eben nicht so aus): aufm CSD wollen wa alle nicht nur toleriert werden, sondern auch akzeptiert. aber innerhalb der “szene” kommen wa nicht ma miteinander klar, sprich: die verschiedenen — bunten! — ausprägungen. sicher, ich mag nicht unbedingt die aufgedonnerte tunte, DAS muss ich aber auch nicht. dennoch lasse ich ihm/ihr den spielraum. und trotzdem ist es in den köpfen nicht wirklich angekommen. darum ist zB der CSD in gewisser weise eine farce, so sehe ich das. wir kämpfen für etwas, was wir nicht einmal selbst schaffen. toll, oder?

und ohne den jetzigen wortwechsel unnötig und grundlos hochzuspielen – manchmal sehe ich ja mehr, als da ist –, bitte macht doch selbst nicht aus einer mücke einen elefanten! das gilt für sämtliche seiten!

ich hoffe ja, dass unser regenbogenhain-treffen ein erfolg wird und vielleicht damit sogar richtungsweisend sowohl für die spirituellen als auch sexuellen richtungen ist. wer mehr erfahren möchte, möge sich bei uns in der mailinggruppe melden.[3]

zum abschluss und erinnerung an alle:

die freiheit eines menschen endet dort, wo die freiheit des anderen beginnt. think about!


meine sporadische runen-geschichte geht auch bald wieder weiter. es braucht halt eben zeit, bis sie sich mir klar offenbart. und geduld soll ja eine tugend sein. ;o)

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  1. heut ma kein link, wer’s wissen will, suchen oder wikipedia []
  2. EDIT: der unterschied beider nimmt sich gegenüber den zweigeschlechtlichen kaum etwas, wenngleich es verschiedene auffassungen sind. ich versteh dich dennoch, thursa *zwinker* []
  3. wir sind zwar offen “für alle(s)”, aber dennoch eine geschlossene gruppe, damit jede/r den nötigen raum findet, sich zu entfalten und zu öffnen. nicht jeder mag auf den großen platz gestellt werden. offen für jeden ist zB unser wiki. da kann jede/r lesen. []

.schon 8 mal wat dazu jesacht:

  1. thursa brabbelt:

    hm, ich glaube, du hast da was ein bißchen schief verstanden (ist auch schwierig, versteh ich) – mein verständnis von göttlichkeit ist eher viel- als ungeschlechtlich. und gerade darum will ich männlichkeit/weiblichkeit halt *nicht* betonen, wie’s manche anderen heiden tun.

    das problem, das ich da sehe, ist kein originär religiöses, sondern heißt schlicht heteronormativität.

    ad toleranz in der lesbenszene, ich beobachte da in etwa dasselbe phänomen wie du in der schwulenszene, vielleicht getönt durch das bedürfnis nach noch mehr identifikation und zusammengehörigkeitsbedürfnis. als notorisch nicht schubladisierbarer mensch fühl ich mich da sehr schnell marginalisiert.

  2. -aki brabbelt:

    okay – ungeschlechtlich war auch unglücklich gewählt, ich erweiter das ma oben gleich. (ich denke schon, dich soweit verstanden zu haben ;o)

    hm, zu der heteronormativität gesellt sich so aber auch alsbald etwas, das mensch als homonormativität bezeichnen könnte. ich kann mir auch gut vorstellen, dass einige spiris sich bestimmt auch sowas schon gebaut haben.

    obwohl ich ja sehr glücklich mit meinerhomosexualität bin, in meiner spirituellen welt brauch ich das gar nicht mal so sehr.

  3. thursa brabbelt:

    sowas wie homonormativität hab ich in spiri-kontexten noch nicht kennengelernt. auch wenn ich immer wieder schwierigkeiten habe, (nicht nur frauen) mein positives verhältnis auch (bzw. in gleichem maße wie zu göttinnen) zu männlichen göttern zu erklären. aber das würde ich eher vorannahmen allgemein zuschreiben

    was meinst denn du eigentlich mit “homonormativität”? denn unter “heteronormativität” verstehe ich die unhinterfragte annahme, alle menschen seien hetero, und zwar von natur aus, und das unreflektierte denken in ausschließlich heterosexuellen kategorien. ich habe etwas ähnliches in schwul/lesbisch noch nicht erlebt.

  4. distelfliege brabbelt:

    Homonormativität?
    *gnihihi*
    Homonormativität?

    >>hm, zu der heteronormativität gesellt sich so aber auch alsbald etwas, das mensch als homonormativität bezeichnen könnte. ich kann mir auch gut vorstellen, dass einige spiris sich bestimmt auch sowas schon gebaut haben.

    Was? Ich verstehe nichts! Ich habe auch noch keine Homonormativität in der Spiriszene erlebt, und selbst wenn es so wäre: Dann könnte man sich ja immer noch ein anderes Grüppchen suchen, das nicht so drauf ist, man wird nicht gesellschaftlich gesehen dauernd damit konfrontiert, ob auf der Arbeit, in der Freizeit, in der Spiri-Szene oder im Sportverein.
    Ich als Hete werde ja ohnehin nicht wirklich empfindlich von Heteronormativität gestört. Aber Homonormativität? Nicht daß ich wüsste. Wie, wo?

  5. -aki brabbelt:

    wenn es das nicht gibt, sei’s drum, wenn es das gibt, auch. ich halte in der heutigen zeit einfach nichts für unmöglich, wenngleich es unwahrscheinlich ist.

    seit der mensch denken kann, hat er/sie sich bisher doch alles so hingebogen, wie mensch es braucht. warum haltet ihr also “homonormativität” für so abwegig.

    es läd doch zumindest zu gedankenspielen ein. solange keiner daraus ein radikales weltbild baut und mit gleichem fanatischem eifer vorgeht, wie es so manch andere bewegung in der geschichte getan hat …

    @thursa: sollten homosexuelle ihre eigene sexualität nicht ebenso völlig unhinterfragt annehmen? dann wären denkmuster, wie von mir geschildert, durchaus legitim.

    nur weil’s niemand bisher gesehen hat, wer will mit sicherheit behaupten, dass es das nicht gibt?

  6. distelfliege brabbelt:

    Hm, jetzt wirds mir etwas zu wischi-waschi.
    Heteronormativität ist nicht einfach n nettes Wort was irgendwelche Soz-Päds und Uni-Profs erfunden haben und was mit keinerlei Inhalt und Bedeutung daherkommt.
    Es mag sich für den lieben Frieden gut anfühlen, wenn man sagt: “Andersrum ist es doch genauso, sind wir nicht eh alle bluna, das nimmt sich nix”, usw.

    Dein Spruch mit “Wieso solls Homonormativität denn nicht geben?” ist für mich äquivalent mit “Wieso solls keine grünen Aliens im weißen Haus geben, du warst ja nicht da, also vielleicht..”

    In dem Fall kann ich dir sagen, wieso es Homonormativität in dem Sinne nicht gibt. Normativität, da steckt “Norm” drin. Wenn die meisten Menschen von einer Normierung gar nicht betroffen sind, ist es keine Norm, weil “normal” und “Norm” heisst eben, daß es für die meisten Leute so ist, und für alle so zu sein hat. (Ob man dem Folge leistet oder nicht).
    Normativ heisst “Normgebend”.
    Ein kleines Grüppchen Heiden mag sich homonormativ verhalten, d.h. Homosexualität als etwas Normgebendes hochstilisieren, aber auf die Gesamtgesellschaft hochgerechnet ist es nun mal nicht so daß diese vor Homonormativität strotzt.
    Normativität muss jemandem, der nicht hinterm Mond lebt, auf die Füsse fallen, sonst ist es keine – wenn also weder ich noch Thursa sowas je erlebt haben, gibt es keine. So einfach is det eigentlich. :-)

  7. -aki brabbelt:

    hm, da ich schon mal gerne hinterm mond lebe, stelle ich fest: für mich gibt es keine heteronormativität. allein schon das wort “normal” ist mir im alltag zu überstrapaziert.

    naja, ich hab schon immer festgestellt, dass ich weltfremd und idealistisch bin, dass ich gar nicht in diese welt gehöre… oder in diese zeit.

    und ich hab keine lust mehr auf wortklauberei. da verfranse ich mich am ende nur noch mehr.

    es freut mich, dass sich zumindest schon einmal zwei dazu eingefunden haben, sich mit mir auszutauschen (außerhalb der mailinggruppe). ob dadurch irgendjemandes horizont erweitert worden ist, weiß ich nicht.

    ich weiß nur eines: in der “gesamtgesellschaft” wurden mauern erbaut, wo es nicht einmal grenzen gibt. und ich hoffe nur, dass dies nicht die letzte weisheit ist, die mir die menschheit geben will. das wäre zu traurig.

    ein träumerischer -aki

  8. distelfliege brabbelt:

    Hi du Träumer!

    Vorweg, also dein Blog ruckelt und zackelt in meinem Browserfenster (Firefox 1.5, jaja, der neue läuft bei mir net)… ich weiss net obs am Schäuble unten rechts liegt, aber wenn ich die Styles ausschalte, komm ich besser klar hier. *g*

    Was mir an deinem Eintrag und deinen Kommentaren auffällt, ist eine Haltung, die ich mal “Kopf in den Sand steckende wir sind eh alle irgendwie gleich bluna-Haltung” charakterisieren würde. Ich mein, nix gegen Vereinigungs- und Versöhnungstendenzen!
    Aber wir kommen eigentlich von einem Thema des Abgrenzens, Definierens und Kritisierens – das ist per se nichts Schlechtes, und so lange man sich weiter verständigen kann, dient dies dem Weiterkommen, dem Erkennen – und in so einer Situation ist Vereinigung-Versöhnung-Wir-sind-alle-Gleich nicht dienlich. Sondern es führt vom Thema weg, daher “Kopf in den Sand”.

    Du kannst nicht einfach sagen: “Für mich gibts Heteronormativität nicht” – naja gut, kannst du natürlich sagen. Aber der Gag an Heteronormativität ist doch der, daß niemand sagen kann “püh, für mich gibts das nicht”. Man kanns ignorieren oder bemerken. Aber wenn ich sage “Für mich ist das Luft” ist es deshalb trotzdem noch vorhanden.

    Wenn du Differenzen und differenzieren direkt als “Mauern hochziehen” wahrnimmst, kann ich mir natürlich vorstellen, daß für dich das unangenehm ist, und daß es schwer fällt, Meinungsdifferenzen oder Kritikpunkte stehen zu lassen. Weil das sind ja keine Meinungsdifferenzen oder Kritikpunkte, sondern pöse Mauern, die weg gehören.

    Ich seh das ein wenig lockerer. Wenn ich meine “Mauern” nur auf Kosten meiner Ansichten und dem Recht, diese zu äussern, fallen lassen kann, dann will ich meine Mauern gerne behalten.

    Ahoi
    Distel



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