in: schreibstube • am: 2008-05-29
 


Es heißt er habe sich gewaltsam aus dem Gerichtssaal entfernt. Da dürfte mindestens eine Nötigung vorliegen.

quelle: kommentar 24 von “strafverfolger” auf law blog — hervorhebung von mir.

daraufhin meinte ich im nachfolgendem kommentar (#25) nur, dass ich ja solche sätze liebe.[1]

nur irgendwie fühlte sich der autor dieses satzes wohl leicht auf den schlips getreten, oder wie darf ich solch eine antwort werten?

kommentar #43:

@25: Wenn ein korrekt gebrauchter Konjunktiv für dich schon “Amtsdeutsch” ist, solltest du vielleicht doch noch anfangen für den zweiten Band “Deutsch für Hauptschüler” zu sparen.

ich glaube kaum, dass mir hier der konjunktiv sorge bereitete, selbst als tatsache im indikativ formuliert, lässt den satz nicht schöner klingen, wenngleich es schon ein euphemismus ist.[2]

worauf es mir eher ankam, war die formulierung “gewaltsam entfernen”. für flüchten. sicher ist der angeklagte nicht friedlich durch den saal geschlendert, hat noch allen anwesenden freundlich zugewunken und ist dann in unbekannte regionen entschwunden. wäre wohl auch noch schöner.

nur warum muss mensch statt “flüchten” nun “gewaltsam entfernen” sagen? durch die konstruktion sich gewaltsam entfernen liegt es nahe, dass er nicht entführt wurde, sondern selbst bestrebt war, nicht mehr da sein zu wollen. inwiefern dies gewaltsam vonstatten ging, obliegt dann wieder wohl der definition in irgendwelchen gesetzesbüchern und sonstigen in für den laien unverständlichen amts-/behördendeutschen formulierungen und erklärungen.

ich habe ja nie behauptet, der satz sei faktisch falsch oder zumindest nicht ausreichend korrekt wiedergegeben. den veritablen sinn stelle ich auch gar nicht in frage.

aber: muss solche sprache im alltag sein? und hauptschüler damit zu diffamieren, sie würden das nicht verstehen, finde ich schon recht dreist.

mensch wird doch wohl mal stutzig werden dürfen, oder halt schmunzeln — was ja bei mir der fall war. wäre ich comiczeichner/karrikaturist, ich zeichnete wohl vortreffliche cartoons zu sich gewaltsam entfernen

damit sei meine kenntnis des konjunktivs wohl hinreichend belegt.

die hochgestochene sprache des autors in diesem beitrag ist kein indiz darauf, dass er sich persönlich angegriffen fühlte und sich hierdurch mit einem arroganten tonfall rechtfertigen möchte. vielmehr soll die hier verwendete sprache zum ausdruck bringen, dass der urheber sehr wohl mit sprache umgehen kann, auch — und das soll nicht verschwiegen bleiben — unter zuhilfenahme von nachschlagewerken. es sei wohl immer besser, sich zu vergewissern anstatt unwissenheit mit falsch verwendeten wörtern zu überspielen. gegendarstellungen können in den kommentaren hinterlassen werden, sofern sie sich auf einem akzeptablen niveau bewegen.

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  1. das fehlende komma wollte ich erst gar nicht anmerken, der mensch ist durchaus in der lage, kleine und für die sinnerfassung unerhebliche fehler zu ignorieren und gedanklich zu korrigieren. []
  2. den imperativ lassen wir mal außen vor, denn der klingt wohl ein wenig komisch: “entferne dich gewaltsam!” []



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