Die Diskrepanz zwischen Kritikern und Erfolgreichen
Angeregt durch den 3D-Film Avatar [→] und der sowohl davor als auch danach erschienenen Kritiken.
Nicht erst seit dem Kinofilm Avatar ist mir diese Kluft aufgefallen. Nein, schon seit Jahren beobachte ich dieses Phänomen im Film, Buch und Musik-Bereich; im Grunde also eigentlich in allen Bereichen von Kunst, Kultur und Unterhaltung.
Seither habe ich mir daher schon folgende Handlungsweise zur Devise gemacht: Wird ein Film, Buch oder was-auch-immer im großen Stil und so unobjektiv, wie es nur geht, zerrissen, in den Dreck geschmissen, verbrannt, verteufelt oder einfach nur für schlecht und nicht sehens-, lesens- oder hörenswert befunden … sofort und ohne zu hinterfragen KONSUMIEREN!!!
Warum? Das ist ganz einfach, ich stehe — wie wohl viele andere Menschen auch — auf Kriegsfuß mit Kritikern, denn sie repräsentieren weder die Masse noch sind sie eine Instanz, die für irgendetwas oder -wen im Leben steht. Ich weiß gar nicht, wo diese externen Kritiker herkommen, vielleicht sind es Aliens, vielleicht ein fehlgeschlagenes Gen-Experiment. Aber: sie haben nichts mit der allgemeinen Menschheit zu tun.
Wie sonst ließe sich erklären, dass z. B. Avatar ein — der! — Kinohit geworden ist? Einmal von den erhöhten Kinokartenpreisen abgesehen, ist dieser Film nun der erfolgreichste der Kinogeschichte, und er wird den Vorsprung noch ausbauen, denn so schnell dürfte er nicht aus dem Programm genommen werden. (Da 3D-Filme ohnehin noch rar sind, hat Avatar hier viel Spielraum und Zeit.)
Auch wenn Herr Cameron vielleicht selbst nicht gleich an den Erfolg geglaubt hat [→], auf Kritiker hat er wohl definitiv nicht gehört. Und nun bestätigen die Kinozahlen, dass er ja doch ein glückliches Händchen hatte.
Schlüsseln wir doch einmal auf: Welche Gruppierungen finden wir denn vor?
- Werke-Produzent
- Kritiker
- Konsument
Der Kritiker ist oftmals auch ein Konsument, aber scheinbar eher notgedrungen, sonst könnte er kaum glaubhaft kritisieren.
Der Werke-Produzent (=Urheber) interessiert sich meist nie wirklich für Kritiker, allerhöchstens analysiert er mal seine Umwelt und schaut, ob sein Werk denn gesellschaftskompatibel ist. Haben früher viele Künstler nicht gemacht und sind gescheitert, weil “die Welt noch nicht reif war” für das Wunderwerk. Manchmal schade, manchmal gut. Also im Vorfeld greift hier eine Kritik nie, sonst würden ja viele Kinofilme dann kurz vor Anspieldatum kurzerhand aus dem Programm genommen trotz riesiger Werbetrommel.
Bevor ich mit dem Kritiker weiter mache, erst einmal noch der Konsument: dieser ist in den meisten Fällen völlig unvoreingenommen, und meiner Meinung nach sollte er es gefälligst bleiben! Diese Kritiken in Zeitungen, Magazinen, Websites und Blogs beeinflussen den potenziellen Rezipienten in einer Art und Weise, dass es auch möglich ist, das Werk nicht mehr konsumieren zu wollen.
Wenn ein Film wie jetzt Avatar also erfolgreich ist und viele, wirklich viele Menschen ihn anschauen und auch mögen, kann das zweierlei bedeuten:
- Das Volk ist unglaublich bescheuert und kann Qualität bzw. Bullshit nicht erkennen (so muss jedenfalls die Sicht des Kritikers sein). Vielleicht wurden sie manipuliert oder hirnamputiert.
- Oder das Werk muss wohl irgendwie tatsächlich gut sein. Manchmal so gut, dass die Menschen sogar mehrmals den Film sehen, das Buch lesen, die Musik hören (Sichtweise eines “ungebildeten” Rezipienten).
Beide Optionen schließen sich unter Umständen gar nicht einmal aus.
Es stellt sich mir die Frage, ob wir entweder wie in Idiocracy der völligen Verdummung anheimfallen und daher auf die Rettung der Kritiker hoffen müssen, damit wir überhaupt noch auf einem akzeptablen Niveau bleiben. Oder aber die Kritiker gehörten schon von Anfang an einer mysteriösen Spezies an und haben mit der Menschheit so viel zu tun, wie … (selbständig einen unmöglichen Vergleich einfügen)
Was ich an Kritikern wirklich zu kritisieren habe, sind folgende Dinge:
Kritiker wissen nie, was die Allgemeinheit für gut oder schlecht befindet. Würden sie das nämlich wissen, müssten z. B. gute Filme weniger schlecht und schlechte Filme weniger gut beurteilt werden. (Ja, auch letzteren Fall habe ich leider zu oft erlebt, auf vielerlei Empfehlung 2012 angeschaut und mich am Ende gefragt, wofür ich das Geld ausgegeben habe. Okay, hier war ich aber selbst auch nicht Massen-kompatibel.)
Kritiker glauben, sie können Werke besser beurteilen, als die Urheber ihre Werke erstellen können. Interessanterweise kenne ich kaum Kritiker, die das jeweilige Handwerk selbst ausführen, geschweige denn -wenn sie es doch tun- auf dem gleichen Niveau und mit Erfolg. Kritiker sind wie die über 80 Millionen Bundestrainer, die wir haben, wenn wieder irgendwelche internationalen Fußballspiele ausgetragen werden.
Kritiker geben nie einen persönlichen Hintergrund zu ihren Kritiken. Es obliegt dem Kritikleser, herauszufinden, welchen persönlichen Background der Urteilende hat. Und ab hier setzt nämlich der Knackpunkt dann wirklich ein.
Geschmack ist so verschieden, wie es verschiedene Menschen auf der Erde gibt! Es gibt dann natürlich größere Geschmacksgruppen, aber diese sind auch noch vielfältig genug und in der Anzahl mindestens größer als eins.
Und wenn wir einmal davon ausgehen wollen, dass Kritiker tatsächlich auch nur Menschen sind und diese wirklich nur eine Hilfestellung geben wollen, dann sollten sie verdammt nochmal irgendwo auch darlegen, welche geschmacklichen Präferenzen sie selbst haben. Ohne diese Zusatzinformation ist jede Kritik eigentlich wertlos.
Selbst faktische Bereiche, wie in Kinofilmen die Technik, Vorlagenumsetzung, Ton, Bild, Kameraführung und Charakterbilder und was es sonst noch für Punkte gibt, die man recht objektiv einschätzen kann, sind kein Totschlagargument für die Gesamtqualität und das daraus resultierende Urteil. Irgendwer mag die “schlechte” Kameraführung, irgendwer anderer die flachen und grauen Charaktere in der Geschichte, ein Dritter scheißt auf Hightech und bevorzugt lieber eine tiefgehende Storyline … Und so kann man selbst scheinbar objektive Teilkritiken wieder aufweichen.
Vielleicht wollen Kritiker aber auch nur das nötige Gegengewicht zum ganzen Marketing sein. Vielleicht haben sie das Gefühl, die Welt wäre dröge und langweilig, hätten wir nur die immer und ewig währende Positivwerbung im Kopf.
Ich bezweifle aber, dass jeder Mensch alle Filme, alle Bücher, alle Lieder … einfach sämtliche Werke gleichermaßen mag. Und so wird selbst die beste Werbung nicht bei jedem fruchten, genauso wenig wie die beste Kritik alle überzeugen wird.
Wann gibt es eigentlich die Metakritiker, die die Kritiker kritisieren? Eventuell hilft uns das ja auch. Oder mehr …
— Autor:
Ich verstehe auch viele negative Kritiken nicht: Der Film ist technisch genial und einfach nur gute Untehaltung – nicht mehr aber auch nicht weniger. Wer eine anspruchsvolle Story haben will, kann sich ja einen Ingmar Bergmann Film ansehen. Reine Unterhaltung wird und wurde in Deutschland eh immer nieder geschrieben…
Dem Grundtenor kann ich zustimmen. Oft sind Kritiken einfach gewollt gegen den Strich geschrieben. Ich lass mich aber von denen nicht mehr beeinflussen. Ich wollte von Anfang an, als ich von Avatar erfahren hatte…vor nem Jahr oder so, in den Film ins Kino rein. Vorher hat man auch nicht wirklich viel gehört davon. Bei 2012 war es genau andersherum, ich kenne Emmerichs Filme und hatte absolut keinen Bock auf 2012. Und was war vor dessen Start? Überall konnte man was darüber lesen. Die negativen Berichte haben meine Meinung dann nur unterstützt.
Das Argument, dass jeder in jedem Film etwas gut finden kann, auch falls es nur sehr abwegige Dinge sind, stimme ich hinzu. Aber es gibt schon so etwas wie eine Definition für einen guten Film. Sonst könnte man das Kritiken schreiben, auch in Blogs wie diesem hier, komplett vergessen.
Achja, ich habe heute morgen auf Facebook ebenfalls Feedback erhalten, von einem Kritiker. Schade eigentlich, dass seine Stellungnahme zu meinem Beitrag nicht so öffentlich stattfand.
Ich werde eventuell heute Abend oder am Wochenende einen weiteren Artikel verfassen, der das hier noch etwas weiter ausbaut und einen anderen Aspekt beleuchtet, den ich hier vergessen hatte.